Selbstliebe ist nichts lautes. Sie kündigt sich nicht an und fühlt sich selten spektakulär an.
Oft beginnt sie ganz leise, in einem Moment, in dem wir aufhören, uns selbst zu verurteilen. Für viele von uns Frauen ist gerade das der schwierigste Schritt. Denn wir sind es gewohnt, stark zu sein, durchzuhalten und Erwartungen zu erfüllen. Wir funktionieren, organisieren und kümmern uns. Während wir all dies tun, verlieren wir oft den Kontakt zu uns selbst.
Schon früh lernen viele von uns, dass unser Wert davon abhängt, wie wir aussehen, wie viel wir leisten und wie gut wir für andere da sind. Wir vergleichen uns, zweifeln an uns und stellen unsere eigenen Bedürfnisse hinten an.
Selbstliebe bedeutet nicht, sich jeden Tag schön oder stark zu fühlen. Sie bedeutet auch nicht, keine Unsicherheiten mehr zu haben. Im Gegenteil: Selbstliebe zeigt sich vor allem an Tagen, an denen wir uns nicht gut fühlen. In den Momenten, in denen wir uns Fehler eingestehen, ohne uns dafür innerlich zu bestrafen. Wenn wir traurig sind und uns erlauben, traurig zu sein. Wenn wir müde sind und uns eine Pause gönnen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.
Im Alltag zeigt sich Selbstliebe oft in kleinen, unscheinbaren Entscheidungen. In der Art, wie wir mit uns sprechen. In dem Moment, in dem wir eine Grenze setzen, obwohl wir wissen, dass es anderen nicht gefällt. In dem Mut, ehrlich zu sagen: Ich kann gerade nicht mehr. Diese Momente sind nicht bequem, aber sie sind ehrlich. Und Ehrlichkeit sich selbst gegenüber ist eine der stärksten Formen von Selbstliebe.
Wir Frauen tragen oft eine innere Kritik in uns, die niemals zufrieden ist. Die immer noch mehr fordert und uns antreibt, immer noch besser, noch stärker, noch perfekter zu sein. Selbstliebe heißt nicht, diese Stimme zum schweigen zu bringen, sondern ihr etwas entgegenzusetzen. Sich selbst mal zu sagen: Ich bin genug, auch wenn heute nicht alles gelingt. Und wir uns deutlich machen, dass unser Wert nicht davon abhängt, wie produktiv wir sind oder wie wir im Vergleich zu anderen abschneiden.
Auch der Umgang mit dem eigenen Körper spielt dabei eine wichtige Rolle. Selbstliebe bedeutet nicht, den eigenen Körper jeden Tag zu lieben. Aber ihn zu respektieren. Ihn nicht ständig zu bekämpfen oder zu verstecken. Sich in ihm zu Hause zu fühlen, Schritt für Schritt. Kleidung kann uns daran erinnern, uns so zeigen zu dürfen, wie wir sind.
Selbstliebe ist kein gerader Weg. Es wird Rückschritte, Zweifel und Momente voller Unsicherheit geben. Und trotzdem lohnt es sich, immer wieder zu sich selbst zurückzukehren.
Wir sollten uns immer wieder bewusst machen, dass wahre Liebe bei uns selbst beginnt. Denn wenn wir uns selbst lieben, können wir Verständnis und Zuneigung ehrlicher unserem Gegenüber entgegen bringen.
Am Ende ist Selbstliebe vielleicht nichts anderes, als die Entscheidung, sich selbst mit der gleichen Wärme zu begegnen, die wir so selbstverständlich anderen schenken.
Nicht immer. Nicht perfekt. Aber ehrlich.